Mixed remixed

23.01.2012 | 01:45 ·

Zu meiner Schande muss ich gestehen, seit gut einem Jahrzehnt kein Mixed mehr gespielt zu haben. Aus gutem Grund allerdings – die Erfahrungen mit meiner damaligen Begleiterin Ingrid W., ihres Zeichens immerhin Staatsliga-Spielerin beim HTV und eben dann unter den Top 40 bei Österreichs Damen, brachten all jene bedenklichen Aspekte zum Vorschein, aufgrund derer das ungeschriebene Gesetz „Spiele nie Mixed mit deiner Lebenspartnerin...“ vorherrscht.

Es war schon schlimm genug, wenn ich die auf den ersten Blick und tatsächlich vor allem technisch bessere, verehrte Dame im Sparring natürlich völlig unbeabsichtigt zur Verzweiflung und sodann in von Zaungästen und anderen Experten niemals erwartete Niederlagen schupfte, um daraufhin ein paar Tage durch nahezu stillgelegte Kommunikation und andere perfide Methoden auf Entzug gesetzt worden war…

Nachträglich war es das wert – ich meine ich sitz jetzt hier vorm Compi in Australien gut zwölf Jahre danach und krieg mich vor Lachen nicht mehr ein und hau mich immer noch diebisch über die ausgelebte, sadistische Ader ab, die selbstverständlich klarerweise (aber es war ja trotzdem soooo lustig!) eben beschriebenes, gegenseitiges Leiden nach sich gezogen hatte – geteiltes Leid ist halbes Leid?! Mitnichten und mit Tanten auch nicht! Im Gegenteil: Beim Mixed verdoppelt es sich zuweilen.

Feuchte Augen hier wie da (bei mir vor Lachen), bei Ingrid gekonnt an Krokodilstränen gemahnend – aber nach ein paar Stunden eisigen Schweigens dann doch allmählich wirksam. Und als dies offenkundig war, brachen im Nachhinein auch unheimlich lustige Schimpftiraden über mich herein. Das ich das Letzte wäre etc., und ein fürchterlicher Oa…, weil das kann ja nicht normal sein so ein Psychoterror etc.,…  Diese beängstigenden Gefühlsausbrüche meinem Vorbild Björn Ice-Borg entsprechend, unbeeindruckt zur Kenntnis genommen zu haben, machte mich stolz, was Ingrid seltsamerweise nach knapp 20 Minuten doch stutzig werden hat lassen: „Sag endlich was, du Dillo – bist ja sonst ah ned am Mund g’fallen.“

Nickend war ich daran, Zustimmung zu vermitteln, um es nach reiflicher Überlegung wieder einmal auf den Punkt zu bringen: „Ich hab dich ja nur ausg’flankt – sonst gar nix!“ – „Ja, aber wie, dauernd mit deppertem Stöhnen und debilem Grinsen und immer wieder mit dem idiotischen ‚Hoiii’ und der vertrottelten Vicht-Geste“ – „Da musst dich bei Kent Carlsson bedanken, oder beim Hewitt (der die Geste übrigens von uns Schweden gestohlen hat, aber so klug war, sie sich – im Gegensatz zu deren Erfindern Nicklas Kroon und Mats Wilander – patentieren zu lassen, nur dass er dazu markerschütternd: „C’ooommmme oooonnnn“ zu brüllen pflegte).
 
Ein guter Konter, wie ich fand –  nun jedoch endlich zum Kern der Sache, wenn nämlich Ingrid und ich selten, aber doch gemeinsam Seite an Seite andere Paare bezwingen wollten, artete es jeweils nach kurzem zum „Infight“ aus, und der war noch schlimmer als zuvor geschilderte Sparringszenarien!

Als sich die Wege dann nicht zuletzt deswegen auch privat trennen mussten, wurde ich seltsamerweise auch salomonisch mit „Du kannst ja auch nicht treu sein“ bedacht – was ich heute jedenfalls entschieden bestreiten kann, denn: Ich blieb zumindest bislang dem Vorsatz treu, künftig kein Mixed mehr zu bestreiten – und das obwohl’s doch so unterhaltsam verlaufen war ;-)

Aus Schilderungen langjähriger Tennis-Wegbegleiter ist indessen bekannt, dass ernst geführte Mixed-Doppel leider auf ähnliche Art und Weise bereits unzählige Partnerschaften entzweit – sogar über Kontinente hinweg –, was wiederum die sehr wohl auch existente „völkerENTbindende“ Wirkung des Sports unterstreicht…

Sorry, längerer Flashback – ich sammle mich, um die Konzentration aufs Wesentliche, auf die Ereignisse hier und heute zu fokussieren.

Showcourt 2 war der Schauplatz: Zwei heimische Daviscupper gegeneinander – der eine Österreichs bester Dupplierer aller Zeiten, der andere einer seiner schärfsten Konkurrenten. Jürgen Melzer mit seiner Iveta Benesova sportlich wie privat liiert, Oliver Marach mit Nuria Llagostera Vives diesmal sportlich leicht lädiert ;-)

Eine Konstellation mit schwierigen Vorzeichen. Die Linkshänder dominieren jedenfalls den ersten Satz in 21 Minuten glatt 6:1, Jürgen glänzt als einziger nicht nur aufgrund des gleißenden Kometen, der für 35 Grad bei Windstille sorgt. Satz Nummer zwei verläuft ausgeglichener, wobei Olis Animo, unbedingt gewinnen zu wollen, nicht wirklich zu sehen ist. Dabei vergeigt Jürgens Herzblatt mehrmals vermeintlich einfache Bälle und lässt daraufhin das Racket mehrfach aufpäppeln, um es elegant wieder zu fangen (nicht einmal ansatzweise so wie Herr Baghdatis – und auch ganz ohne Haarriss, weder des Rahmens, noch der Frisur). Jürgen übersieht’s galant, steht so drüber wie’s mir leider niemals gelungen war und erntet – Ende gut, alles gut – Bussis, der Gegnerin sowie von Iveta… Oli hält sich erstaunlicherweise zurück, aber man spürt auch so die freundschaftliche Erleichterung beider Daviscupper, das Ganze hinter sich zu haben.

Dementsprechend flockig und lustig geben sich beide in den anschließenden Interviews. Zunächst Oli Marach, der strahlt – weil er endlich heimwärts darf…

… als auch Jürgen, der mit Iveta nun auf Mirza/Bhupathi treffen wird…

Teil 1:

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Teil 2:

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Es heißt ja, man lernt nie aus im Tennis, also besteht die theoretische Möglichkeit – irgendwann einmal, das Alter hätt’ ich ja schön langsam, auch fürs Mixed – heranzureifen. Mein Liebling spielt ja nur alle heiligen Zeiten mal Tennis, also müsste sich eine neutrale Dame finden – äääh, oder lieber doch nicht?! Denn es soll ja mitunter doch auch so manches, unter dem Motto „untouchable“ geführte, Mixed urplötzlich bestehende private Bande urplötzlich, mir nichts, dir nichts, remixed haben…

Hier einige Bilder vom Mixed-Doppel Melzer/Benesova gegen Marach/Llagostera Vives:

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(Fotos: Robert Kolodziej)

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