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Becker: "Wie soll man eine Sportart promoten, wenn sie in den Medien nicht gezeigt wird?"

25.11.2011 | 11:27 · (tennisnet)

Der dreifache Wimbledon-Sieger will dem Deutschen Tennis Bund beim Weg aus der Krise behilflich sein.

Bild: Jürgen Hasenkopf

Boris Becker ist mit seinen Nachfolgern hart ins Gericht gegangen. "Ich finde es aktuell ein bisschen ernüchternd, wo wir stehen und wo wir mal waren", sagte Becker in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. Mit Florian Mayer (23.) und Philipp Kohlschreiber (43.) rangieren derzeit nur zwei deutsche Herren in den Top 50 der Weltrangliste. Bei den Grand-Slam-Turnieren in diesem Jahr schaffte es keiner der deutschen Profis in die zweite Woche.

Fehlende Fernsehpräsenz als Grund für Krise


"Wir müssen dringend Strukturen verändern", forderte Becker daher. "Wir müssen es schaffen, wieder ein System zu finden, wo wir in fünf Jahren wieder eine Anzahl von deutschen Tennisspielern haben, die in den ersten 15 oder ersten 10 der Welt mitspielen." Einen Grund für die Krise im deutschen Herrentennis sieht der dreimalige Wimbledon-Sieger in der fehlenden Fernsehpräsenz in Deutschland. Während die Spiele der erfolgreichen Damen um Senkrechtstarterin Andrea Petkovic zumindest teilweise auf Eurosport zu sehen sind, findet das Herrentennis im deutschen TV so gut wie gar nicht statt.


"Wie soll man eine Sportart promoten, wenn sie in den Medien nicht gezeigt wird?", fragte der 44-Jährige. Zu den erfolgreichen Zeiten Beckers, der insgesamt sechs Grand-Slam-Turniere gewann und zwölf Wochen die Nummer eins der Welt war, hatte Tennis in Deutschland noch ein Millionen-Publikum angezogen. Becker will zudem dem Deutschen Tennis Bund beim Weg aus der Krise behilflich sein. Er habe dem neuen DTB-Präsidenten Karl-Georg Altenburg und dessen Vize Charly Steeb bereits im Sommer seine Unterstützung versprochen. "Ich habe ihnen gesagt, dass ich dem deutschen Tennis gerne helfe und gerne zu Gesprächen bereit bin", sagte der dreimalige Wimbledon-Sieger. Er wolle mit anpacken, "weil ich meine, helfen zu können".

Becker als "Freund des Hauses"


Eine offizielle Funktion benötige er dafür nicht, erklärte er. "Ich brauche dafür keinen Titel. Ich habe mir in meinem Tennisleben genügend Meriten verdient, dass ich nicht Vizepräsident oder Sportwart oder sonst wie genannt werden will", sagte Becker. Der gebürtige Leimener bezeichnete sich als "Freund des Hauses", der dabei mitwirken wolle, "das deutsche Tennis wieder dahin zurückzubringen, wo es mal war".


Noch in diesem Jahr will die ehemalige Nummer eins der Welt mit Altenburg, der Mitte des Monats Georg von Waldenfels an der Spitze des größten Tennis-Verbandes der Welt abgelöst hatte, weitere Gespräche führen. "Wir werden uns bald einmal konkreter zusammensetzen, um im Detail auszuarbeiten, was das genau heißt. Aber der Wunsch zu helfen, ist auf jeden Fall da", machte Becker deutlich. Schon bei der WM in London hatte es in dieser Woche ein kurzes Gespräch zwischen Becker und Altenburg gegeben. Der neue DTB-Präsident freute sich über die Bereitschaft Beckers: "Er ist der größte deutsche Tennis-Spieler aller Zeiten", sagte der Banker dem Internetanbieter Sport1.de. "Wenn er uns einen Rat geben will, ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, ihm zuzuhören." (Text: dpa; Foto: Jürgen Hasenkopf)

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