Antonia Lottner exklusiv: „Mein Aufschlag kann eine Waffe werden“

16.11.2012 | 10:18 · (tennisnet)

Das 16-jährige Nachwuchstalent spricht im Interview über ihre Ziele, ihre Stärken und Schwächen auf dem Platz und das Stöhnen im Damentennis.

Bild: Jürgen Hasenkopf

Von Christian Albrecht Barschel

Antonia Lottner spielte sich 2012 in das Notizbuch der Tennisexperten. Die 16-Jährige (geboren am 13. August 1996) aus Düsseldorf erreichte bei den Juniorinnen-Grand-Slams in Paris und New York jeweils das Halbfinale. In Wimbledon schaffte sie es bis ins Viertelfinale. Außerdem gewann Lottner das prestigeträchtige Jugendturnier in Berlin. Als Lohn für ihre starken Leistungen schließt sie das Jahr als Nummer drei der Juniorinnen-Weltrangliste ab. Bei den Damen gewann Lottner in Stockholm im November 2011 ihren ersten Profititel. In der Damen-Weltrangliste steht die 16-Jährige derzeit auf Platz 810.


Antonia, du giltst als eines der größten deutschen Nachwuchstalente seit vielen Jahren. Ist das eine Last für dich oder ist das eher Ansporn, die Vorschusslorbeeren auch zu erfüllen?

Das ist eher Ansporn und Motivation für mich. Wenn ich das als Druck sehen würde, bringt mir das nicht viel. Ich finde es schön, dass ich anscheinend das Talent dafür habe.

Du warst dieses Jahr in zwei Grand-Slam-Halbfinals bei den Juniorinnen. Setzt du dir für das nächste Jahr einen Grand-Slam-Titel zum Ziel?

Ja, das wäre schön, wenn ich nächstes Jahr ein Titel gewinnen könnte. Es ist zwar kein Muss für mich, aber ich setze mir das schon zum Ziel.

Wenn du wählen könntest, welches Grand-Slam-Turnier würdest du denn am liebsten gewinnen?

Ich würde am liebsten die Australian Open oder die US Open gewinnen.

Du bist derzeit die Nummer drei in der Junioren-Weltrangliste. Willst du nächstes Jahr die Nummer eins werden oder steht der Sprung zu den Profis im Vordergrund?

Der Fokus liegt nicht darauf, dass ich die Nummer eins werde, sondern ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Ich werde nächstes Jahr auch nur die Grand Slams bei den Juniorinnen spielen. Ob ich Nummer eins oder drei bin, ist egal. Natürlich wäre das schön, wenn ich Platz eins erreiche. Aber Hauptziel für nächstes Jahr ist es, dass ich mich bei den Damen etabliere.

Hast du dir ein Ziel gesetzt, welchen Platz du bis Ende nächsten Jahres erreichen möchtest?

Das Ziel ist es, die Top 300 zu knacken. Dann würde ich auch Special Excempts für die Juniorinnen-Grand-Slams bekommen und würde direkt im Hauptfeld stehen.

Wie und wann bist du zum Tennis gekommen?

Ich habe mit sechs Jahren mit Tennis angefangen. Meine Geschwister haben auch Tennis gespielt, deshalb wollte ich damit auch beginnen. Irgendwann hat es sich dann dazu entwickelt, dass es in die professionelle Richtung ging.

Du hast dieses Jahr in der Schule die mittlere Reife bestanden. Willst du noch das Abitur machen oder konzentrierst du dich jetzt voll und ganz auf die Tenniskarriere?

Der Fokus liegt auf Tennis, ich will aber nebenbei noch das Fernabitur machen, damit ich eine Grundlage habe.

Wie sieht ein normaler Trainingstag bei dir aus?

Ich trainiere morgens zwei bis drei Stunden, dann gibt es Mittagessen. Am Nachmittag gibt es dann eine weitere Trainingseinheit gefolgt von Fitnesstraining. Das Programm hängt auch davon ab, wie meine Tagesform ist und ob ein Turnier bevorsteht.

Du bist mit 1,84 Meter recht groß gewachsen für eine 16-Jährige. Siehst du das als einen Vorteil an?

Ja, ich sehe das als Vorteil. Die großen Spielerinnen bewegen sich vielleicht schlechter, aber mit der Größe kann man viel mehr machen. Wenn die Beinarbeit stimmt, habe ich die längeren Arme am Netz oder auch den besseren Aufschlag. Daher ist das ein großer Vorteil.

Wo siehst du deine Stärken auf dem Platz?

Ich habe ein aggressives Spiel und gehe häufig ans Netz vor. Das ist ein Vorteil, weil viele Frauen heutzutage nicht gerne am Netz spielen. Außerdem kann mein Aufschlag eine Waffe werden, der derzeit aber noch ausbaufähig ist.

Was kannst du neben deinem Aufschlag noch in deinem Spiel verbessern?

Alle Schläge können noch besser werden. Ich denke, dass ich alle Schläge schon ganz gut beherrsche, aber da ist noch viel Potential, dass die Schläge schneller und präziser werden. Ich glaube nicht, dass ich einen neuen Schlag noch lernen kann.

Wer sind deine Vorbilder im Tennis?

Bei den Damen mag ich Maria Sharapova und Serena Williams gerne, bei den Herren ist es Roger Federer.

Du bist Mitglied des Porsche Talentteams, zu dem auch Annika Beck, Dinah Pfizenmaier, Anna-Lena Friedsam (ab 2013) und Carina Witthöft gehören. Wie sieht die Förderung und Unterstützung genau aus?

Wir bekommen vor allem finanzielle Unterstützung, so dass wir Turniere besser finanzieren können und die Möglichkeit haben, zu bestimmten Ereignissen reisen zu können.

Hast du auch schon Kontakt zu den gestandenen deutschen WTA-Spielerinnen um Angelique Kerber & Co.?

Der Kontakt besteht. Ich habe alle deutschen Spielerinnen mal kennengelernt. Mit Julia Görges habe ich auch schon trainiert.

Welche Dinge und Schläge kannst du dir von deinen deutschen Kolleginnen lernen? Welche deutsche Spielerin imponiert dir am meisten?

Von den Schlägen kann man sich nicht sehr viel abgucken, weil jeder sein eigener Typ ist. Ich finde Andrea Petkovic sehr beeindruckend. Ich mag vor allem ihren Biss auf dem Platz. Generell finde ich alle deutschen Spielerinnen toll. Es ist klasse, was sie bislang geleistet haben. Sie sind sehr gute Vorbilder für mich.

Du hast dieses Jahr das internationale Juniorenturnier in Berlin gewonnen und tratst damit in die Fußstapfen von u.a. Steffi Graf und Ivan Lendl. Nimmst du das als gutes Omen für den weiteren Verlauf deiner Karriere?

Es ist schön, dass ich auch in Berlin gewonnen habe, aber das muss nicht unbedingt was bedeuten für die Zukunft. Ich denke jetzt nicht, dass weil Steffi Graf ebenfalls in Berlin gewonnen hatte, dass ich nun auch so erfolgreich wie sie werde.

In Zukunft soll das exzessive Stöhnen im Damentennis schon im Jugendbereich unterbunden werden. Was hältst du von der immer wieder diskutierten Stöhndebatte? Stört dich das im Match?

Wenn ich selber ein Match spiele gegen jemand, der laut stöhnt, stört mich das nicht. Aber wenn ich als Zuschauer bei einem Match zugucke und höre, wie manche Mädels lauthals stöhnen, finde ich das sehr unangenehm.

Wie passt das dann mit Sharapova als Vorbild zusammen?

Sharapova mag ich, weil sie vom Typ ähnlich ist und auch groß gewachsen ist. Ich mag ihre mentale Stärke und ihre Einstellung auf dem Platz, dass sie bis zum letzten Punkt kämpft.

Welche Schlagzeile würdest du gerne im nächsten Jahr über dich lesen?

Ich würde gerne lesen: Antonia Lottner gewinnt ihren ersten Grand-Slam-Titel bei den Juniorinnen.

Das Bild zeigt das Porsche Talentteam mit Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner.

(Fotos: Jürgen Hasenkopf)

Untere Reihe von links: Carina Witthöft, Anna-Lena-Friedsam, Annika Beck

Obere Reihe von links: Antonia Lottner, Barbara Rittner, Dinah Pfizenmaier

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