Der Hamburger Tennis-Magier

07.10.2010 | 13:06 · (tennisnet)

Der Ex-Profi René Nicklisch geht bei seinem Training ungewöhnliche Wege. Der 34-Jährige bietet auch Hypnosekurse an.

Bild: Tennisnet
Von Erik Trümpler

Auf Deutschlands Turnieren war er gefürchtet. Seine Ausstrahlung, seine gepeitschte Rückhand, seine Stabilität, sein Biss. René Nicklisch war in den 90ern und Anfang des neuen Jahrtausends der ungekrönte Preisgeldturnier-König der Republik. Vor sechs Jahren beendete der 34-Jährige seine aktive Karriere, arbeitet seitdem als Tennistrainer in Hamburg – und bietet seit Juni dieses Jahres etwas ganz Besonderes an: Tennis-Hypnose.

Vom Breitensportler bis zum Oberliga-Spieler, vom Schnupperkurs bis zum ATP-Turnier – beim Tennis spielt der Kopf regelmäßig verrückt. 5:2 geführt, alles im Lot? Im Gegenteil. Plötzlich steht es nur noch 5:4, und man ist trotz Führung völlig von der Rolle, stinksauer, schimpft, führt Selbstgespräche, redet sich ein, dass gar nichts mehr geht. Typisch auch der Satz: „Gegen den kann ich nicht gewinnen.“ Roger Federer mag sich das bisweilen vor Sandplatz-Duellen mit Rafael Nadal gedacht haben, „Lieschen Müller“ verfolgt diese Vorstellung bei jedem Donnerstagabend-Einzel im Dorfklub.

In vier Monaten zum Tennis-Hypnose-Coach

„Dagegen kann man was tun“, sagt René Nicklisch. Der Westfale kennt die Psycho-Spielchen auf dem Court. „Als ich früher mit Bernd Karbacher trainiert habe, 5:1 in Führung lag und es dann nur noch 5:4 stand, war ich gereizt. Er hat mir dann gesagt: ,Sieh es doch mal so: wenn man dir vorher gesagt hätte, dass du 5:4 führst, wärst du doch zufrieden gewesen.‘“

Nicklisch merkte sich den Tipp des Ex-Davis-Cup-Spielers und ehemaligen Weltranglisten-22. - und profitierte davon. Zwölf Jahre spielte er in der Bundesliga (unter anderem in Halle und bei Iphitos München), stand auf Platz 16 der DTB-Rangliste und war die Nummer 246 der Welt. Eine Erfolgsbilanz.
Jetzt stehen seine Schüler im Mittelpunkt. „Und die kommen mit ganz ähnlichen Problemen zu mir“, sagt der 34-Jährige. Er überlegte sich, was er neben dem Trainerjob noch machen könnte. Aus privaten Gründen kam er mit Hypnose in Kontakt. Das war der Schlüssel. Er fragte beim „Institut für transaktionale Hypnose“ in Hamburg nach, ob sich der Bereich auch für den Tennissport anbieten würde. „Die Lehrer waren begeistert“, erzählt Nicklisch. Vier Monate ließ er sich zum Hypnose-Coach ausbilden. Eine Marktlücke? „Ich gehe das entspannt an“, sagt der Orange-Bowl-Sieger von 1992.

Ist das nur Hokuspokus?

Die große Frage: Bringt Tennis-Hypnose etwas oder ist das nur Hokuspokus? „Das erste Gespräch besteht fast ausschließlich darin, den Leuten zu erklären, dass sie in Trance keinen Kontrollverlust haben. Sie können jederzeit unterbrechen“, sagt Nicklisch. Über Sprache versetzt er seine Kunden in einem Raum in den Trance-Zustand. 60 bis 90 Minuten dauern die Termine. „Es geht darum, auf das Unterbewusstsein einzuwirken und den Leuten Hilfestellungen mit an die Hand zu geben. Etwa, dass sie sich einen bestimmten Punkt auf dem Platz suchen, einen Anker, auf den sie in kritischen Situationen zurückgreifen können.“

Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen. Laut Nicklisch ist er der einzige, der Hypnose gezielt für Tennisspieler anbietet. „Das ist auf jeden Fall auch was für Profis. Vielleicht nicht für die Top 10 oder die Top 50, die sind stark genug. Aber für alle anderen.“ Und vielleicht geht „Lieschen Müller“ bald ganz souverän damit um, wenn es nach einer 5:2-Führung plötzlich nur noch 5:4 steht.

Weitere Informationen zu diesem Thema unter: www.rene-nicklisch.de
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