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Probleme mit dem Rücken

28.11.2011 | 15:14 · (tennisnet)

Unlängst hat es Jürgen Melzer und Andreas Haider-Maurer erwischt - Rückenprobleme bleiben vielen Tennisspielern nicht erspart. Wie bei vielen anderen Millionen Menschen kann auch bei Sportlern der Rücken eine Schwachstelle sein - an die der Betroffene z.B. schon beim Hinunterbücken zum Schuhe Schnüren erinnert wird.

Sei es im Bereich der Halswirbelsäule, wo Verspannungen zu Kopfschmerzen, Sehstörungen oder sogar zu Schwindel führen können; oder Steifigkeit im Bereich der Lendenwirbelsäule, bei der Schmerzen das alltägliche Wohlbefinden stark beinträchtigen: Gerade bei Tennisfanatikern gibt es einen hohen Prozentsatz an Wirbelsäulen-Patienten.


Die Bewegungs-Ursachen sind weit gefächert:

- Einseitige Belastung durch das Tennisspiel

- Mangelndes Auf- und Abwärmen

- Fehlen von Ausgleichsgymnastik

- Schlechte Dehnbarkeit der Hüft-/Bein- und der Schulter-/Arm-Muskulatur

- muskuläre Dysbalancen (Ungleichgewichte)

- Bewegungsdysbalancen zeischen den einzelnen Wirbelsäulen-Abschnitten

- Ungünstiges Bewegungsverhalten, besonders bei vorgeneigter Körperposition

- mangelndes Zuasmmenspiel zwischen Bauch-, Rücken-, Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur

- schlechte Beinarbeit und Position zum Ball, die durch ruckartiges Bewegen der Wirbelsäule ausgeglichen werden
 

Ein Beispiel zur Illustration:


Vor allem die technisch anspruchsvolle Aufschlagbewegung, kann zu hohen Belastungen der Wirbelsäule führen .
Der Ball erfährt aus einer starken Streckung der Wirbelsäule (Bogenspannung), einer Seitneigung und Drehung (Rotation) des Körpers, mit einer hohen Belastung aller Wirbelsäulenabschnitte, eine optimale  Beschleunigung.


Bei schlechter Schlag- oder Aufwurftechnik bzw. durch nicht optimalen Beineinsatz (zuerst Beugung, dann Streckung der Bewegungskette Sprunggelenk - Kniegelenk - Hüftgelenk) kann der Rücken fehlbelastet werden.

Die Beinarbeit ist sowohl die Basis für optimale Kraftübertragung über die Wirbelsäule, Schulter und Arm (Oberarm, Ellbogen, Handgelenk) Hand und Finger, als auch für die optimale Beschleunigung des Balls.

Ist diese Bewegungskette bzw. Kraftübertragung nicht fließend, geht es auf Kosten der Ballgeschwindigkeit und Präzision des Balls. Um den Ball trotzdem zu spielen, dient dann die Wirbelsäule als Hauptkompensator. Ruckartig gestreckt, gebeugt, gedreht zeitigt der Rücken dann entweder spontan oder langfristig Schmerzen.
 

Welche Schritte sollte man setzen, um sich nicht das geliebte Tennisspielen zu vermiesen? Neben einer ärtzlichen Untersuchung sollte ein detaillierter physiotherapeutischer Befund durchgeführt werden, um den Schmerzursachen exakt auf den Grund zu gehen. Die da sein können:

- Assymetrien
- Abweichungen der Wirbelsäule (verstärkte oder zusätzliche Krümmungen)
- Überdurchschnittliche oder verminderte Beweglichkeit der einzelnen Wirbelsäulenabschnitte
- Muskuläre Ungleichgewichte wie Schwächen und Verkürzungen
- Gleichgewicht- und Koordinationsdefizite


Darüber hinaus sollten typische Bewegungsmuster in Zusammenarbeit mit dem Tenniscoach analysiert und besprochen werden. Ist man dann den Hauptursachen der Schmerzen  auf der Spur, gilt es, folgendes Behandlungskonzept einzuhalten:


1. Zur Schmerzlinderung:
Wärme, Massagen, Wirbelsäulentlastungen (z.B Traktionsbehandlungen) bzw. Stretching: Gezielte Bewegungsübungen lösen auch hartnäckige Verspannungen.

2. Zur Beweglichkeitsschulung:
Gezielte Mobilisation unbeweglicher Wirbelsäulen- Abschnitte.


3. Zur Stabilisation:
Erlernen einer besseren muskulären Kontrolle in den überbeweglichen Wirbelsäulenabschnitten.


4. Zur Entlastung der Wirbelsäule:
Verbesserung der Hüft-/Bein- und Schulter-/Armmuskulatur im Sinne einer Muskeldehnung- und -Kräftigung. Stärkung der Bauch-, Rücken- und der Gesäßmuskulatur zur Beseitigung von muskulären Dysbalancen am Rumpf.


5. Ökonomisierung der tennisspezifischen Bewegungen:
Verbesserung der Koordination, Beinarbeit sowie der Aufschlag- und Aufwurftechnik.


6. Adäquates Ausgleichsprogramm:

Erlernen eines Auf- und Abwärmprogramms sowie Selbsthilfe bei Verspannungen und erworbenen Verkürzungen durch Selbstmassage. Gezielte Durchführung von regenerativen Maßnahmen in Verbindung mit dem Tennisspielen z.B Saunabesuch usw. - siehe Artikel Regeneration.


Zur allgemeinen Fitnesssteigerung ist es empfehlenswert, neben Tennis auch Alternativsportarten  (Schwimmen, Langlaufen, Skaten, Sportkletter usw.) ins Freizeitrepertoire aufzunehmen .


Wichtig: Maßnahmen schon bei Kids


Die Basis, um Wirbelsäulen- Überlastungen und Verletzungen vorzubeugen, sollte bereits im Kinder- und Jugendalter gelegt werden. Ausgleichgymnastik sowie Dehnungsübungen sollten den Kids von Anfang an angwöhnt werden.

Außerdem sollten die Entwicklung der Wirbelsäule bei Jugendlichen Freizeit- und Leistungssportlern regelmäßigen Kontrollen durch Arzt und Physiotherapeuten unterzogen werden, um frühzeitig Gegenmaßnahmen setzen zu können!


Auch wenn Sie sich schon daran gewöhnt haben sollten - Kreuzschmerzen müssen nicht sein! Gehen Sie mit professioeller Betreuung Ihren Schmerzursachen auf den Grund, und lassen Sie sich ihr individuelles Fitnessprogramm zurechtschneidern! Ein regelmäßiges Auf- und Abwärmprogramm sollte genauso zu ihrem Sportalltag gehören wie regenerative Maßnahmen. Dann werden Sie sehen: Konsequente Therapiemaßnahmen können Wunder bewirken!

Viel Spaß und Erfolg!

Ihr Reinhard Komosny


(TSM)

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