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Kerber-Trainer Beltz: "Sie ist jeden Tag besser geworden"

29.08.2012 | 08:58 · (tennisnet)

Torben Beltz spricht im Interview über die Arbeit mit der deutschen Nummer eins.

Bild: Jürgen Hasenkopf

Von Jörg Allmeroth aus New York

Torben Beltz (36) ist der Trainer und engste Vertraute der Weltranglisten-Sechsten Angelique Kerber. Er coachte  Kerber schon einmal in deren Juniorinnen-Tagen und arbeitet seit letztem Herbst fest in Diensten der Kielerin, die am Donnerstag zum Zweitrundenspiel gegen Venus Williams antreten muss.

Herr Beltz, keiner kennt Angelique Kerber besser als Sie. Können Sie uns das Geheimnis ihrer Erfolge erklären?

Torben Beltz: Sie war immer schon ein Riesentalent. Aber sie brauchte wirklich diese Selbstbestätigung, die sie hier im letzten Jahr bekommen hat - mit dem Halbfinaleinzug bei den US Open. Mit einem Paukenschlag auf einer großen Bühne. Das war ein richtiges Erweckungserlebnis. Auf einmal wusste sie: Ich bin da oben dabei. Ich kann die Guten schlagen.

Viele haben allerdings gedacht: Das war ein Ausreißer, ein Zufallstreffer.

Beltz: Natürlich gab es diese Bedenken. Ich glaube, Angelique war sich da auch nicht gleich hundertprozentig sicher. Aber die Bestätigung hat sie sich dann regelmäßig selbst gegeben, mit einer Kontinuität, die mich selbst manchmal sprachlos macht. Sie zieht ihr Ding jetzt gnadenlos durch, das ist schon super. Man merkt ihr auf Schritt und Tritt dieses Selbstbewusstsein an, das die Topspielerinnen haben.

Warum schaffte Sie nicht früher diesen großen Durchbruch?

Beltz: Ein Faktor war sicherlich die Fitness. Dieses gute Körpergefühl, das sie jetzt hat, war halt vor einem Jahr noch nicht da. Die harten Trainingswochen, die sie damals im Sommer absolviert hat, haben sie richtig verwandelt. Sie hatte auf einmal richtige Lust an dieser harten Arbeit. Hat sich da richtig reingestürzt. Und weil sie erfolgreich war, ließ sie auch nicht mehr locker. Auch weil sie weiß, dass sie ohne diesen hundertprozentigen Einsatz nichts Großes schaffen kann. Alle Spitzenspielerinnen arbeiten extrem hart, da kannst du dir keinen Schlendrian leisten.

Selbst viele Rivalinnen bewundern die Zähigkeit Ihrer Chefin, diese Hartnäckigkeit, die auch zu diesen mehr als 50 Saisonsiegen geführt hat.

Beltz: Es ist schon undankbar für jede, gegen Angie zu spielen. Sie gibt eigentlich keinen Ball verloren, ist mit unglaublicher Intensität im Spiel drin. Und macht auch die unmöglichen Dinge möglich, mit diesen vielen erfolgreichen Aufholjagden und Dreisatzsiegen. Sie ist aber auch deshalb so erfolgreich, weil sie im letzten Jahr ihr Repertoire konsequent ausgebaut und verfeinert hat. Man muss sich nur mal die Länge und Präzision ihrer Bälle anschauen, das ist schlicht Weltklasse. Da muss sie sich vor keiner verstecken. Auch nicht, was die Aggressivität des Spiels, die Power angeht. Sie ist eigentlich jeden Tag besser geworden, über das ganze letzte Jahr hinweg.

Sie reisen viele Wochen zusammen mit Angelique Kerber durch die Welt. Wie muss man sich diese Partnerschaft vorstellen?

Beltz: Wir arbeiten sehr ernsthaft zusammen, das ist das Wichtigste, das hat oberste Priorität. Aber wir kommen auch sonst gut klar, haben unseren Spaß, wenn nicht auf dem Platz oder im Kraftraum geackert wird. Wir spielen Backgammon oder gehen mal ins Kino. Wenn du so viel Zeit zusammen unterwegs bist, muss einfach die Chemie stimmen. Und das ist sicher so bei uns. Sie ist eben auch ein unheimlich angenehmer Mensch, mit dem man gern seine Zeit verbringt.

Angelique gilt eher als stiller, ruhiger, zurückhaltender Mensch. Wie passt der Trainer dazu?

Beltz: Ich bin auch keiner von der lauten Sorte. Aber ich muss natürlich als Coach motivieren, anfeuern, antreiben. Und das mache ich auch mit großem Vergnügen. Wenn sie zur Tribüne hochschaut und mich sieht, dann muss ich einfach Gas geben und Action machen. Das ist auch eine große Hilfe für sie. Man ist da eben auch eine Art Animateur.

Zurück zu den US Open: Da vermittelt Kerber nach diesem unheimlichen Aufstieg ziemlich entspannt den Eindruck einer Topspielerin.

Beltz: Man kann schlicht sagen: Sie ist da oben angekommen. Und sie hat nicht vor, diesen tollen Platz auch so schnell wieder zu räumen. Sie ist bereit, weiter mit höchstem Einsatz dran zu bleiben. Und vielleicht noch die letzten Schritte zu gehen.

Das ist die Frage, die sich in der Tat viele stellen: Kann Sie hier oder in nicht allzuferner Zukunft einen Grand-Slam-Titel gewinnen?

Beltz: Die Antwort ist: Ja. Denn sie hat alle großen Spielerinnen geschlagen, viele auch schon hintereinander bei einem Turnier. Bei einem Grand Slam passieren halt so viele verrückte Dinge, dass man sich nie sicher sein kann. Aber sie ist in Schlagdistanz zu diesen großen Titeln, kein Zweifel. Es gibt keine Grenzen für sie.

Die Auslosung ist ein bisschen undankbar, mit dem Zweitrundenspiel gegen Venus Williams am Donnerstag.

Beltz: Was soll man da jammern. Sie hat Venus bei Olympia geschlagen, sie hat diesen Sieg auch hier drauf. Und wer die Nummer sechs der Welt ist, muss eben auch mit solchen Herausforderungen klar kommen. So sieht sie jedenfalls selbst diese Situation.


Woran arbeitet das Gespann Beltz/Kerber in den nächsten Monaten, auch in der Vorbereitung auf die neue Saison?

Beltz: Die Arbeit geht einem nie aus. Die Schnelligkeit und Wendigkeit kann noch besser werden, beim Aufschlag ist noch immer Steigerungsbedarf. Das Schöne ist: Angie hat richtig Spaß daran, sich in diese Aufgaben zu stürzen. Sie ist mit Herz und Seele Profi geworden. (Foto: Jürgen Hasenkopf)
 

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