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Dem Aus entgangen: Federer übersteht Wimbledon-Thriller

29.06.2012 | 23:40 · (tennisnet)

Nur zwei Punkte haben Julien Benneteau beim Rasen-Klassiker zu einer gewaltigen Überraschung gefehlt.

Bild: LAOLA1.at // Laola1

Es war ein Tennis-Thriller, bei dem Roger Federer lange über dem Abgrund einer bitteren Drittrunden-Niederlage schwebte. Ein Nervenspiel, bei dem er wiederholt nur noch zwei Punkte vom Scheitern in seinem grünen Tennisparadies in Wimbledon entfernt war. Doch als nach drei Stunden und 37 Minuten auf dem Centre Court im All England Club abgerechnet wurde, hatte Federer eine kämpferische Aufholjagd nach 0:2-Satzrückstand gegen den Franzosen Julien Benneteau doch noch umgebogen. 4:6, 6:7 (3), 6:2, 7:6 (6) und 6:1 – so lautete das nüchterne Zahlenwerk des neuesten Wimbledon-Dramas in einem Turnier-Jahrgang, der den Favoriten schon in der ersten Turnierwoche alles abverlangt. 24 Stunden vor Federers harter Probe für Geist und Psyche war bereits Mitfavorit Rafael Nadal gestrauchelt, wie aus heiterem Himmel gegen den Weltranglisten-100., Lukas Rosol aus Tschechien. Federer spielt nun im Achtelfinale am Montag gegen den belgischen Veteranen Xavier Malisse (31), der überraschend Fernando Verdasco (Spanien) ausgeschaltet hatte.

„Hatte nicht mehr viele Leben über“

Unterm erneut geschlossenen Hallendach war es für Federer eine aufreibende Late-Night-Show, in der er alle Beharrungskraft und seine komplette Erfahrung aus großen Matches aufbieten musste, um nicht Nadals Schicksal einer frühen Heimreise zu teilen. „Julien hat mich schon ins Zweifeln gebracht, ich hatte nicht mehr viele Leben über. Aber ich habe in Summe immer an meine Chance geglaubt, bin positiv geblieben“, sagte der 30-jährige Maestro, „aber es war ein brutaler Kampf. So eng im vierten Satz. Ich hatte auch verdammt viel Glück.“ Zwei Startsätze lang hatte Federer fahrig gewirkt, nicht richtig gewappnet für die Aufgabe gegen den dynamisch, aggressiv auftretenden Benneteau. Auch die meisten Big Points gingen da an den Gallier, der dann auch noch einmal im vierten Satz die Oberhand zu gewinnen schien. Doch erst mit dem verlorenen Tiebreak dieses Durchgangs wendete sich das Blatt gegen Benneteau – in Satz fünf hatte es Federer schließlich spielerisch leicht gegen den resignierenden, körperlich erschöpften Rivalen. „Ich bin glücklich, weil ich nie locker gelassen und mich da durchgebissen habe“, meinte Federer hinterher.

Federer braucht Titel für Platz eins

Durch die sensationelle Fünf-Satz-Niederlage von Nadal gegen den tschechischen Nobody Rosol am Donnerstagabend war Federer unversehens schon wieder auf Platz zwei der ATP-Rangliste gerutscht. Um sogar wieder von der erhabenen Gipfelposition auf den Rest der Welt herabblicken zu können, müsste Federer seine Wimbledon-Mission 2012 aber mit einem Sieg und damit dem siebten Titel im All England Club krönen. Nadals Knockout in der zweiten Runde galt den meisten Branchenexperten als eine der größten Sensationen der Tennisgeschichte, nicht nur in Wimbledon, sondern bei allen Grand-Slam-Turnieren. „Rosol kam wie aus dem Nichts. Es ist einfach unfassbar“, sagte der ehemalige Weltranglisten-Erste Mats Wilander zu der krachenden Überraschung auf dem Centre Court. Für Nadal hatte das Scheitern nur einen kleinen positiven Randaspekt: Denn jetzt konnte sich der 26-jährige Mallorquiner nach dem Turnierstress im Frühling und frühen Sommer erstmals länger von den Strapazen auf Sand- und Rasenplätzen entspannen und auch konzentrierter auf den olympischen Tenniswettbewerb vorbereiten.

Djokovics Vorbereitung? Golf spielen!

Im Vergleich zu Federer wesentlich leichteres Spiel hatte Novak Djokovic. Und doch plagte sich auch der Titelverteidiger gegen Routinier Radek Stepanek eineinhalb Sätze lang, schien anfangs so wie Nadal ebenfalls bei geschlossenem Dach gegen einen Tschechen auf dem Weg zum Aus. „Der Gedanke ist mir aber nicht gekommen“, lächelte der Serbe nach dem Spiel, in dem er nach 2:49 Stunden letztendlich doch noch klar mit 4:6, 6:2, 6:2, 6:2 die Oberhand behielt. „Ich hab mich auf meinen Gegner konzentriert. Er ist ein sehr trickreicher Spieler, sehr talentiert. Er ist schon viele Jahre auf der Tour und einer der wenigen, der nach jedem ersten Aufschlag ans Netz kommt. Er kann jedem wehtun und hat einen großartigen ersten Satz gespielt. Wann immer ich Breakball hatte, hat er einen starken Aufschlag ausgepackt und die Linien getroffen. Er war sehr aggressiv. Aber ich hab den zweiten, dritten und vierten Satz extrem gut gespielt.“ Wie nun Djokovis Vorbereitung auf den nächsten Gegner aussieht? Die wird nicht nur Tennis beinhalten: „Ich werde übers Wochenende ein bisschen Golf spielen – und natürlich trainieren vor dem Match am Montag.“ Dort bittet im Achtelfinale sein Landsmann Viktor Troicki zum 13. Duell der beiden. Die Vorzeichen sind klar: Djokovic hat lediglich den ersten Vergleich der beiden im Jahr 2007 verloren… (Text: Jörg Allmeroth live aus Wimbledon / MaWa)

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