Schwachpunkt Achillessehne

18.11.2011 | 11:22 · (tennisnet)

Die Achillessehne ist sehr oft die „Achillesferse“ des Tennisspielers. Woher rührt eigentlich die überdurchschnittliche Verletzungs- bzw. Überlastungsfähigkeit der Achillessehne und seines Nachbargewebes (Achillessehnengleitlager)?


Meist steht  der einwirkenden Belastung  eine  zu geringe Belastbarkeit des Gewebes gegenüber, die durch folgende Ursachen bedingt sind:


1. Statische Ursachen:

a.)    Anatomische Fehlstellungen des Fußes: Hohl- und Plattfuß. Der Knie und der Hüfte: X-Bein, eingeschränkte Einwärtsdrehung der Hüfte;

b.)    vermehrtes Nach-Innen-Kippen des Fersenbeins als Spätfolge eines früher erlittenen Umkipptraumas („Überknöcheln“);

c.)    vermehrtes Abrollen über den äußeren Fußrand;

d.)    weiters findet man häufig bei Achillessehnenüberlastungen endgradige Bewegungseinschränkungen des oberen bzw. unteren Sprunggelenks, die ebenfalls zu einer Fehlbelastung der Achillessehne führen und von ehemaligen Bänderverletzungen herrühren können.

Oder:

2.    schlechte Lauftechnik;

3.    schlechte oder alte Laufschuhe;

4.    Hyperpronation (verstärktes Nach-Innen-Kippen des inneren Knöchels in der Landungsphase beim Laufen).

In 60-70% dieser Überlastungssyndrome ist die Innenseite der Achillessehne betroffen.


Durch die vorher beschriebenen Mitursachen kommt es zu einer inadäquaten Landungsphase, wobei die Schwerkraft nicht rechtzeitig abgebremst wird. Infolgedessen kann die Abstoßphase nicht optimal stattfinden, da der Fuß nicht genügend stabil ist, um den Körper optimal zu beschleunigen. Es kommt dadurch zum sogenannten „Auswringphänomen“ - eben eine Verwringung der Achillessehne, welche eine Durchblutungsstörung verursacht.


Durch immer wiederkehrende funktionelle Überlastungen und Mikrotraumen kommt es zur Fibrosierung (bindegewebige Einsprossungen durch Minderversorgung des Gewebes) der Sehnenscheide. Diese verdickt sich, was zu Reibegeräuschen und Schmerzen führt.


Die Beweglichkeit der Sehne im Gleitlager wird dadurch reduziert und so ist der Teufelskreis besiegelt. Infolgedessen kommt es zu einer degenerativen Veränderung des Gleitlagers und zu einer Verdickung bzw. Schwellung der Achillessehne.


Grundsätzlich spricht man von 7 Überlastungspunkten, die durch Tasten lokalisiert werden können. Zumeist befindet sich die betroffene Zone vier bis 6 cm über der Oberkante des Fersenbeins.


Statistisch gesehen kommt es auch dort zu den meisten Achillessehen-Durchrissen, da sich hier die am schlechtesten durchblutete Zone der Sehne befindet.
Damit man diese Horrorszenarien nicht Realität werden lässt, sollte man bereits bei den ersten Verletzungsanzeichen, also bei den ersten Schmerzen prophylaktische und therapeutische Maßnahmen setzen!


Checken Sie selbst - folgende Schmerzstadien können bei Achillessehnenüberlastungen (Achillodynie) auftreten:


Stadium 1: Leichte Schmerzen nach starker Belastung, die jedoch nach ungefähr 1 Stunde wieder verschwinden.
 

Stadium 2: Mäßige Schmerzen am Anfang der Belastung,  die jedoch während der Beanspruchung verschwinden. Nach der Belastung kommt er jedoch wieder zurück und bleibt mehr als 1 Stunde bestehen.
 

Stadium 3: Schmerzen am Beginn der Belastung die zwar während der Belastung etwas weniger werden aber nie ganz verschwinden. Nach der Belastung kann er dann mitunter mehrere Tage in dumpfer und leichter Form anhalten.
 

Stadium 4: Die Schmerzen während der Belastung sind so stark, dass die sportliche Tätigkeit sehr beeinträchtig ist.
 

Stadium 5: Die Schmerzen bleiben auch in Ruheposition bestehen. An  eine sportliche Tätigkeit  ist nicht zu denken.
 

Stadium 6: Ein möglicher Sehnenriss, der auch ohne Vorwarnung passieren kann. Nicht immer muss eine Vorschädigung (Entzündung) vorhanden sein.

Anmerkung: Rein theoretisch dürfte die stärkste Sehne in unserem Körper gar nicht reißen. Es müssen komplexe Belastungen (Fehlkoordinationen, schlechter Aufwärmzustand…) dazu beitragen.


Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es :


1. Lokale Behandlungen:


- Ultraschall

- Querfriktion

- Dehnung

- Bewegung im schmerzfreien Bereich

- Kompressionsverband Achillessehnen-Gleitlager

- Eisbehandlung

- Topfenwickel

- Fersenkeil (0,5-1 cm)

2. Ursächliche Behandlung

- Dehnung (Wadenmuskulatur und Achillessehne)

- Sporteinlage

- Mobilisierung des Sprunggelenks bei Bewegungseinschränkungen

- Stabilisierung ( bei Überbeweglichkeit bzw. Instabilität )

- Beinachsentraining

- Verbesserung der Lauftechnik

- Optimierung der Trainingsplanung

- Verstärkte Regenerationsmaßnahmen

- Verbesserung des allgemeinen Fitnessniveaus

- Keine Schmerzprovokation


Also: Verlieren Sie nicht den Mut, wenn Ihnen momentan die Achillessehne schmerzt! Wie oben beschrieben  gibt es viele Möglichkeiten, Sie innerhalb von ungefähr 10  physiotherapeutischen Behandlungen - und Ihrer Mitarbeit -, Sie schnell wieder zum schmerzfreien Tennisspielen zurück auf den Tennisplatz zu bringen!

Viel Spaß,

Ihr

Reinhard Komosny

(TSM)

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