„Golden Set“ in Wimbledon: Shvedova gelingt historisches Kunststück

30.06.2012 | 17:08 · (tennisnet)

Die Kasachin gewann den ersten Satz gegen Sara Errani mit 6:0 und machte dabei jeden Punkt.

Bild: GEPA pictures

Wimbledon ist nicht nur das prestigeträchtigste Tennisturnier der Welt. Hier spielen sich auch immer wieder große Dramen und Kuriositäten ab. Vor zwei Jahren spielten auf Court 18 John Isner und Nicolas Mahut das längste Tennismatch der Geschichte. Die beiden duellierten sich elf Stunden und fünf Minuten - mit einem epischen fünften Satz, der 70:68 für Isner endete.

Erster "Golden Set" in der Open Era der Damen

Auf Court 3 wurden die Zuschauer nun Zeuge eines ganz ungewöhnlichen Schauspiels. Im Drittrundenmatch zwischen der Kasachin Yaroslava Shvedova und der French-Open-Finalistin Sara Errani endete der erste Satz nach nur 15 Minuten mit 6:0 für Shvedova. Das ist an sich eigentlich nichts Weltbewegendes, enden doch einige Sätze mit 6:0. Die Tatsache, dass Shevedova den Satz ohne Punktverlust gewonnen hat, macht die Sache aber historisch. In der Fachsprache wird von einem „Golden Set“ gesprochen, bei dem man alle 24 Punkte macht. Shvedova ist die erste Frau, der dieses Kunststück nach Einführung der Open Era im Jahre 1968 gelingt – und das ausgerechnet in Wimbledon, auf der größten Tennisbühne der Welt.

Der einzige notierte „Golden Set“ im Damentennis ereignete sich 1943 beim Turnier im Cincinnati (USA). Die US-Amerikanerin Pauline May Betz Addie schlug ihre Landsmännin Catherine Wolf mit 6:0, 6:2 und machte dabei im ersten Satz alle Punkte. Bei den Herren gab es Aufzeichnungen zufolge bislang nur einen „Golden Set“. Bill Scanlon (ebenfalls USA) schlug 1983 beim Turnier im US-amerikanischen Delray Beach den Brasilianer Marcos Hocevar mit 6:2, 6:0 und gab im zweiten Satz keinen Punkt ab.

Shedovas zweiter Anlauf zum "Golden Set"

Shedova spielte bei ihrem „Golden Set“ im ersten Satz wie aus einem Guss. Die Kasachin schlug 14 Winner, darunter vier Asse. Die Weltranglisten-Zehnte Errani, die als extrem sichere Spielerin bekannt ist, produzierte auch nur einen unerzwungen Fehler, was die herausragende Leistung von Shedova zudem unterstreicht. Errani kam in Top-Form nach Wimbledon. Die Italienerin erreichte das Finale der French Open und gewann zudem den Doppeltitel in Paris an der Seite von Landsmännin Roberta Vinci, mit der sie seit 25 Spielen unbesiegt ist. In der ersten Runde hatte Errani bereits für ein Kuriosum gesorgt. Das Match gegen die US-Amerikanerin Coco Vandeweghe wurde bei Matchball für Errani wegen Regens unterbrochen. Am nächsten Tag servierte Vandeweghe dann einen Doppelfehler, und das Match war beendet – was beide mit einem Lachen quittierten.

Shvedova verlor zwar gleich den ersten Punkt des zweiten Satzes gegen Errani, gewann schließlich das Match aber mit 6:0, 6:4 und zog ins Achtelfinale ein. Kurioserweise war die Kasachin bereits vor sechs Jahren ganz kurz vor einem „Golden Set“. Beim WTA-Turnier 2006 in Memphis machte Shvedova im Achtelfinale gegen Amy Frazier (USA) 23 Punkte am Stück. Sie scheiterte dann aber am finalen Punkt zum „Golden Set“, weil sie einen Doppelfehler servierte. Shvedova konnte sich von dem „Schock“ nicht mehr wirklich erholen. Sie gewann zwar den Satz mit 6:1, gab dann aber die Sätze zwei und drei sang- und klanglos mit 0:6 ab. In Wimbledon machte es Shvedova dann besser und erreichte nicht nur den „Golden Set“, sondern auch den Matchgewinn. (Text: cab; Foto: GEPA pictures)

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