Erneute Shotclock-Debatte nach Djokovic-Triumph: Die Geduldsprobe zwischen erstem und zweitem Aufschlag
Novak Djokovic kassierte in Peking beinahe Match für Match eine Zeitverwarnung. Die aktuelle Shot-Clock-Diskussion erinnert an die US Open, als Alexander Zverev mit seiner ausgedehnten Routine zwischen erstem und zweitem Aufschlag für Unmut sorgte.
von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet:
07.10.2026, 12:57 Uhr

Novak Djokovic spielte in Peking groß auf. Zwischen seinem ersten Triumph der Saison und seiner bisherigen Unbesiegtheit in Peking ging eines aber unter: In nahezu jedem seiner Matches wurde der Serbe wegen Zeitüberschreitung verwarnt. Auch im Finale gegen Alex de Minaur kassierte er eine sogenannte Time Violation, weil er sich vor seinem ersten Aufschlag zu viel Zeit ließ.
Diese Tatsache, gepaart mit Djokovics oft langer Vorbereitung vor dem zweiten Aufschlag, löste bei Sky Sports Tennis eine Diskussion zwischen Kommentator Jonathan Overend und der ehemaligen Topspielerin Johanna Konta aus. Die beiden stellten sich die Frage, warum es eigentlich keine Shot Clock zwischen erstem und zweitem Aufschlag gibt.
Ist eine zweite Shot Clock wirklich nötig?
Konta kann sich eine solche Regel durchaus vorstellen. Die bestehende Shot Clock soll ja eigentlich dafür sorgen, dass zwischen dem Ende eines Ballwechsels und dem nächsten Aufschlag nicht zu viel Zeit vergeht. Zwischen erstem und zweitem Aufschlag geht jedoch nach wie vor erhebliche Zeit verloren.
Allerdings sei das Problem laut Konta kein flächendeckendes. Es betreffe nur ein paar der Spieler oder komme eben nach besonders langen und körperlich intensiven Ballwechseln vor. Der Großteil der Spieler lasse sich zwischen den beiden Aufschlägen nicht übertrieben lang Zeit.
Zverev brachte die Debatte ins Rollen
Einer der Spieler, die sich oft sehr viel Zeit vor dem zweiten Aufschlag lassen, ist Alexander Zverev. Der Deutsche hatte zuletzt bei den US Open mit seiner Aufschlagroutine für Diskussionen gesorgt, als er zwischen erstem und zweitem Aufschlag den Ball teilweise bis zu zwanzig Mal auftippte.
Zverevs Verhalten kam bei vielen anderen Spielern nicht gut an. Nach seinen fünf Matches bei den US Open wurde berichtet, dass er insgesamt rund 12.000-mal den Ball vor dem Aufschlag aufgetippt habe. Zverev selbst erklärte anschließend, er wisse weder, warum er das mache, noch würde er das bewusst machen.
„Die Shot Clock hat Tennis eher verlangsamt“
Overend blickt durchaus kritisch auf die Shot Clock als Ganzes. Er bezweifelt, dass die Shot Clock ihren eigentlichen Zweck erfüllt hat. Seiner Ansicht nach habe sie das Tennis sogar verlangsamt, weil sich die Spieler nun eher bis zum Ablauf der erlaubten 25 Sekunden Zeit lassen würden, als gleich nach einem Punkt weiterzuspielen.
Konta stört wiederum vor allem die uneinheitliche Anwendung. Wenn manche Schiedsrichter strenger durchgreifen als andere oder die Uhr während des Countdowns scheinbar stehen bleibt und anschließend weiterläuft, werde die Regel schwer nachvollziehbar. „Was ist da dann noch der Sinn?“
Djokovic mit Verschnaufpausen
Während viele Spieler unnötig lange Aufschlagroutinen des Gegners zermürben, kann sie anderen sogar helfen. Beispielhaft dafür steht das Viertelfinale von Peking zwischen Djokovic und Zverev. Der Serbe musste dort zwar selbst immer wieder lange auf den nächsten Punkt warten, Zverevs Aufschlagroutine könnte ihm allerdings sogar entgegengekommen sein, denn lange Pausen vor Zverevs Aufschlägen bedeuten für Djokovic ja letztlich mehr Zeit zur Erholung nach anstrengenden Ballwechseln…
