Laver Cup: Ist „Team World“ zu wenig attraktiv?
Eigentlich sollte der Laver Cup ja ein Messen zwischen Europa und dem Rest der Welt sein. Bislang wurde außerhalb des alten Kontinents aber nur in Nordamerika gespielt.
von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet:
03.10.2026, 18:28 Uhr

Es gibt ein sehr feines Bild vom Laver Cup 2026, der am Sonntag ja mit dem Erfolg der Europäer geendet hat. Da sitzen Namensgeber Rod Laver, der Mitbegründer der Veranstaltung Roger Federer und Carlos Alcaraz auf einer Bank in der O2 Arena und unterhalten sich. Einige Beobachter haben das als Staffelübergabe interpretiert, und zwar insofern, als dass Alcaraz die noch junge „Legacy“ des 2017 gestarteten Team.Wettbewerbs weiterführen und ausbauen soll.
Carlos Alcaraz, das haben die Reaktionen der Fans bei den US Open und jetzt auch beim Laver Cup gezeigt, ist der größte Star im Tenniszirkus. Und es gibt keinen knappen Zweiten. Am ehesten noch Novak Djokovic, der sich aber nur noch selten auf der Tour zeigt. Beim Laver Cup schon gar nicht.

Wobei: 2022 war Nole in London ja dabei. Und das soll die letzte Ausgabe gewesen sein, die die Veranstalter nicht mit einem saftigen Minus abgeschlossen haben. Da ist es gut zu wissen, dass mit Carlos Alcaraz ein Spieler im Team Europa fest verankert ist, der die Zuschauer in die Hallen bringt.
2027 wird der Laver Cup in Los Angeles ausgespielt
Bei „Team World“ schaut es dagegen in mehrerlei Hinsicht mau aus. Der Star des Teams anno 2026 war eindeutig Andre Agassi, der als Kapitän zum Glück auch bei jedem Match im Einsatz war. Aber die emotionalen Leader wie Ben Shelton und (an guten Tagen) Frances Tiafoe haben eindeutig gefehlt, also musste der eigentlich eher zurückhaltende Alex de Minaur in diese Rolle schlüpfen. Gut zu beobachten war das im Doppel an der Seite von Taylor Fritz, in dem der „Demon“ seinen Partner permanent anfeuerte.
Die zweite Frage ist natürlich, ob es eine Version des Welt-Teams geben könnte, die auch außer halb Nordamerikas für volle Hallen sorgt. Denn bislang war der Laver Cup ja nur in den USA und Kanada zu Gast, 2027 wird in Los Angeles gespielt. Und das steht und fällt natürlich mit der Besetzung der Auswahl. Aber auch mit logistischen Fragen.
Kein asiatischer Spitzenspieler in Sicht
Wenn Joao Fonseca sein Potential eines Tages voll ausschöpft, dann wäre Brasilien sicherlich eine Option. Aber wer möchte schon nach den US Open und nach der danach folgenden Davis-Cup-Runde einen Trip nach Südamerika wagen? Nur um danach nach Asien zu jetten (gut, das ist auch aus Los Angeles nicht zwingend nahe).
Naheliegend wäre eine Austragung in einer asiatischen Großstadt. Aber genau da mangelt es eben wieder an der lokalen Starpower. Denn der einzige Spieler, der aus diesem riesigen Raum in den letzten Jahren etwas gerissen hat, firmiert nun ja als Tennis-Rentnern: nämlich Kei Nishikori.
Der Wille, neue Märkte zu erschließen, mag also da sein. Aber ganz pragmatisch betrachtet spielt man beim Laver Cup wohl lieber die sichere Karte. Und die heißt nun mal USA.
