Mira Antonitsch: „Der Weg hat definitiv gestimmt“

Mira Antonitsch hat nach mehreren vergeblichen Comeback-Anläufen nach schweren Verletzungen endgültig einen Schlussstrich unter ihre Tenniskarriere gezogen. Und ist mit dieser Entscheidung und sich selbst im Reinen.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 01.04.2025, 16:16 Uhr

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Mira Antonitsch verabschiedet sich mit einem Lachen
© GEPA
Mira Antonitsch verabschiedet sich mit einem Lachen

Der Court 7 im Billie Jean King National Tennis Center ist gnadenlos. Zu Fans wie zu den Profis - denn Schatten gibt es eigentlich zu keiner Tageszeit. Wer als Juniorin bei den US Open am Start ist, hat aber wohl ohnehin andere Sorgen als die äußeren Umstände. Und also begab es sich etwa vor einer Dekade, dass Mira Antonitsch eben auf diesem Court 7 auf Sofia Kenin traf, die spätere Siegerin der Australian Open. Es war, das kann hier aus erster Hand bezeugt werden, ein Match auf Augenhöhe, das Kenin mit jenen Qualitäten für sich entschied, die sie 2020 in Melbourne zum Triumph führten: Sie verbiss sich einfach in ihre Gegnerin.

Die spannendere Spielerin war aber natürlich Mira Antonitsch. Weil alles da war: der Spin mit der Vorhand, der Slice mit der Rückhand (die es auch in der beidhändigen Variante gab), der Spielwitz. Da konnte man aus österreichischer Sicht eine Niederlage auch verschmerzen. Schließlich waren die Aussichten prächtig. O-Ton Mira Antonitsch: „Grand Slams, auch wenn es nur in der Jugend war, sind das Coolste, das ich als Tennisspielerin erlebt habe. Das Match gegen Kenin habe ich gut in Erinnerung. Weil es eine Partie war, wo ich gefühlt habe, dass ich spielerisch gut dabei bin.“

In einer Altersgruppe mit Sabalenka, Andreescu, Kenin

Eben. Und dann ist es doch anders gekommen, weil in einer Tenniskarriere auch andere Faktoren neben einem feinen Händchen mitspielen. Und so ist Mira Antonitsch mit sich mittlerweile im Reinen. Aber mit 26 Jahren halt auch schon Tennis-Rentnerin.

Mitgenommen habe es sie schon, wo Altersgenossinnen wie Sofia Kenin, Bianca Andreescu oder Aryna Sabalenka jetzt stehen. Und sie selbst nie ihr ganzes Potenzial zeigen konnte. Was nicht heißt, dass Mira Antonitsch dem eigenen Gefühl nach aktuell die WTA-Weltrangliste anführen sollte. Eher im Gegenteil: „Ich habe mich selbst nie so gut gesehen, mich immer ein bisschen kleiner gemacht als nötig.“

Aber es gab ja schon als sehr junges Mädchen Anzeichen dafür, dass sie auch mit den ganz Großen mitspielen könnte. So wie mit Kiki Bertens im Jahr 2015.

„Das war mein erster Linz-Auftritt. Und ich war unglaublich nervös. Ich habe vom Schiedsrichter einen WTA-Sticker bekommen. Aber meine Hände haben so gezittert, dass ich mir den nicht selbst aufkleben konnte. Der Schiedsrichter hat das für mich erledigt. Ein sehr cooles Match. Ich habe Satz und 3:1 vorne gelegen. Da ist dann schon aufgeblitzt, was an einem guten Tag möglich wäre. Der Weg hat definitiv gestimmt.“

Knöchelschmerzen in Nürnberg

Alles schien auf Schiene. Bis zum Turnier in Nürnberg 2017. „Da habe ich mein erstes WTA-Match gewonnen, aber schon mit enormen Schmerzen in den Knöcheln gespielt.“ Die Diagnose: Knochenmarksödeme. Das hat Antonitsch mal gleich ein ganzes Jahr gekostet. Zumal man nicht genau wusste, was zur Heilung zu tun war. Nach der Corona-Pause ist Antonitsch dann topfit in die zweite Ebene des professionellen Frauentennis zurückgekehrt. „Da habe ich ein 15er-Finale gegen Qinwen Zheng gespielt - und habe eine komplette Rasur bekommen. Aber egal.“ Zheng sollte ein paar Jahre später die olympische Goldmedaille in Paris holen.

Der nächste Auftritt in Linz brachte dann eine schwere Fußverletzung. Plantarfasziitis. Im Rückblick der Anfang vom Ende. Weil wieder zwei Jahre verloren gingen. 2023 fasste Mira Antonitsch eine kapitale Gastritis aus, da ging es dann mehr darum, den Alltag zu bewältigen. Und nicht um Turniertennis. Ein letzter Comeback-Versuch endete mit einer kaputten Schulter.

Bresnik trainiert Antonitsch

Zwischendurch gab es aber auch sportliche Highlights. Wie den Auftritt mit dem österreichischen Nationalteam im Billie Jean King Cup, damals noch Fed Cup, in Talinn. Gegnerin war Camila Giorgi, Mira Antonitsch zwang die Italienerin zwei Sätze lang bis ans Limit. Damals übrigens trainiert von Günter Bresnik.

Jetzt ist die Reise also zu ihrem Ende gekommen, Mira Antonitsch hat sich in den sozialen Medien verabschiedet, bei allen, die ihr auf diesem Weg beigestanden sind, bedankt. „Mich haben die Reaktionen überrascht. Extrem viele Leute haben mir auch privat geschrieben, lange Nachrichten. Das war sehr schön - aber auch noch einmal emotional.“

Was nun kommt? Die nächste spannende Aufgabe. Die Mira Antonitsch mit derselben Verve angehen wird wie ihre Tennis-Karriere.

von Jens Huiber

Dienstag
01.04.2025, 19:15 Uhr
zuletzt bearbeitet: 01.04.2025, 16:16 Uhr